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Pferdegesundheit

Innere Organe als Ursache für Blockaden beim Pferd

27.05.2020

Wirbelblockaden und Verspannungen im Rückenbereich des Pferdes können unterschiedlichste Ursachen haben. Jedoch können diese Probleme nicht nur mechanische Ursachen haben. Auch Probleme mit den inneren Organen können Blockaden der Wirbel auslösen. Da sämtliche Systeme im Körper zusammenhängen, bedingen sich das sog. muskuloskelettales System, das Nervensystem und das Organsystem gegenseitig. Wie Wirbelblockaden entstehen, wie diese durch innere Organe hervorgerufen werden und wie man diesen vorbeugt, erklärt Pferdeosteopathin Lisa Kullmann.

Wie entsteht eine Blockade im Wirbelsäulenbereich? 

Um zu verstehen, wie Blockaden entstehen und mit den inneren Organen zusammenhängen, ist es wichtig zu wissen, was eine Blockade überhaupt ist. Die Wirbelsäule des Pferdes ist aufgebaut aus 7 Halswirbeln, 18 Brustwirbeln, 6 Lendenwirbeln, dem Kreuzbein, 5 verknöcherten Einzelwirbeln und 20 Schwanzwirbeln, die in der Schweifrübe enden. 

Jeder Wirbel besteht aus dem Wirbelkörper, dem Wirbelbogen und den Gelenkfortsätzen. Die Gelenkfortsätze verbinden die Wirbel miteinander. Die Gelenkfläche, die zwischen den Wirbeln entsteht, ist die Facettengelenksebene. „Wenn diese Facettengelenke nicht mehr aufeinander gleiten, verliert sich an dieser Stelle die Beweglichkeit in der Wirbelsäule und eine mechanische Blockade entsteht“, erklärt Lisa Kullmann. „In vielen Fällen findet man als Osteopath dann auch eine zusätzliche Rippenblockade im gleichen Segment.“

 

Die Bedeutung der Segmente für Blockaden

Ein Segment besteht aus zwei benachbarte Wirbeln. Von den Segmenten ziehen Gefäße und Nerven in die Peripherie des Körpers und versorgen ihn mit Informationen. „Segmente kann man sich ähnlich wie eine Straße vorstellen“, veranschaulicht Lisa Kullmann. Das Rückenmark gibt darüber Informationen an den Körper und andersherum. So kann der Körper Informationen an das Rückenmark übertragen. 

Jedes Segment ist für mehrere Strukturen im Körper gleichzeitig zuständig. Es versorgt immer einen Knochenabschnitt, einen Muskelabschnitt, einen Hautabschnitt und das dazugehörige Organ. Wenn eine Blockade in einem Segment vorliegt, ist es negativ beeinflusst und die zu versorgenden Strukturen leiden darunter. Der Stoffwechsel und der Informationsfluss vom Körper an das Rückenmark und andersherum sind in diesem Bereich eingeschränkt und die Gefäße ziehen sich zusammen, wodurch der Blutfluss negativ beeinflusst und die gesamte Struktur schlechter versorgt wird. 

 

Innere Organe als Ursache der Dysfunktion

Nicht jede Dysfunktion eines Organs führt direkt zu einer Wirbelblockade. Liegt über einen längeren Zeitraum ein Problem mit einem Organ vor, „sendet“ das Organ immer wieder negative Informationen über das jeweilige Segment an das Rückenmark. Das führt dazu, dass das Segment solange irritiert wird, dass pseudoradikuläre Schmerzen im entsprechenden Rückenbereich wahrgenommen werden, obwohl dort eigentlich nicht die Ursache für eine Schmerzsymptomatik vorliegt. 

 

„Jedes Segment, das blockiert ist, hat eine negative Auswirkung auf all seine Zielorte.“

 

Da ein Organ immer von mehreren Segmenten versorgt wird, kommt es zu einer sogenannten multisegmentalen Blockade. Das heißt, dass das Problem des Organs zu einer Kette aus mehreren Wirbelblockaden führt. Es entsteht eine Festigkeit in der Muskulatur und Wirbelblockaden, die sich mechanisch manifestieren kann. Das ganze System bedingt sich also gegenseitig und sollte daher immer ganzheitlich betrachtet werden. 

 

Aufspüren von Blockaden mithilfe des Pferdeosteopathen

Zu Beginn jeder Behandlung führt Lisa Kullmann eine ausführliche Anamnese durch. Dabei wird der Pferdebesitzer zu der Krankheitsgeschichte des Pferdes befragt. Wichtig ist auch, ob das Pferd aktuell Medikamente bekommt oder in der Vergangenheit bekommen hat. Des Weiteren können Auffälligkeiten im Ess- und Trinkverhalten, die Gabe von Zusatzfuttermitteln und das Sozialverhalten interessante Aufschlüsse über das allgemeine Wohlbefinden des Pferdes geben und auf betroffene Organe hinweisen. Wesensveränderungen wie Schreckhaftigkeit oder Apathie können ebenfalls Anzeichen für mangelndes Wohlbefinden oder versteckte Probleme sein. 

Nach der Anamnese schaut sich Lisa Kullmann das Pferd in der Bewegung und im Stand an, indem sie eine Gang- und Statikanalyse durchführt. Danach wird mit der osteopathischen Untersuchung begonnen. Dabei fallen Schonhaltungen auf, Schmerzen bei Berührung bestimmter Muskeln, Knochen, der Haut oder bei empfindlichen Akupressurpunkten. „All diese Dinge geben mir Aufschluss darüber, welches System betroffen sein könnte - muskuloskelettales System, Nervensystem oder Organsystem“, beschreibt Lisa Kullmann. 

Der gesamte Körper des Pferdes ist in verschiedene Bereiche, sogenannte Plexūs aufgeteilt. So bezeichnet man ein Netzwerk oder eine Verflechtung von Leitungsbahnen des Organismus, also von Venen, Arterien, Lymphgefäßen oder Nervenbahnen.

Den verschiedenen Plexūs sind unterschiedliche Organe untergeordnet. Liegt nun eine multisegmentale Wirbelblockade im Bereich eines Plexus vor, die mithilfe der Anamnese aufgespürt wurde, ist naheliegend, dass das innere Organ die Ursache ist. 

 

 Ganzheitliche Betrachtung des Pferdekörpers

Wenn Lisa Kullmann den Eindruck hat, dass eine Wirbelblockade durch ein inneres Organ hervorgerufen wird, sollte zunächst ein Tierarzt mit einbezogen werden, da eine tiefere Diagnostik sinnvoll sein kann, um dem Pferd langfristig zu helfen. 

Zum Lösen von Blockaden wendet Lisa Kullmann eine ganzheitliche manuelle Behandlungsmethode an Muskulatur und Fasziengewebe, dem parietalen System, dem Organsystem und dem Nervensystem an und löst damit Blockaden an der Wirbelsäule und den Gelenken. Alle Körpersysteme werden mit einbezogen.

Durch die Behandlung wird das „Hindernis“ im Körper zunächst durch eine schmerzfreie und entspannende Technik entfernt und die Selbstheilungskräfte aktiviert. Dadurch wird die Durchblutung und der Fluss der nervalen Informationen angeregt, sodass die Körpersysteme wieder „in Schwung" kommen. 

Ergänzend dazu wendet Lisa Kullmann bestimmte Naturheilkundeverfahren und die Phytotherapie an, um das Immunsystem zu stärken. „Häufig entstehen Blockaden, da das Immunsystem zu schwach ist, um den Körper selbst zu heilen. Sollte dies der Fall sein, entwickle ich individuell auf meine Patienten abgestimmte Aufbaukuren für das Immunsystem, um weiteren Erkrankungen vorzubeugen“, erklärt Lisa Kullmann. 

 

Gesunderhaltung durch pferdegerechte Haltung & ein starkes Immunsystem

Ein starkes Immunsystem ist essenziell für die Gesundheit des Pferdes. Wenn das Immunsystem des Pferdes geschwächt ist, können die Selbstheilungskräfte bei Problemen nicht mehr eingreifen. Für ein gutes Immunsystem ist eine pferdegerechte Haltung mit viel freier Bewegung und viel Frischluft essenziell. „Das heißt nicht, dass jedes Pferd in einem Offenstall stehen muss“, sagt Lisa Kullmann. „Jedoch sollte jedes Pferd täglich die Möglichkeit von mehrstündigem Weide- oder Paddockgang haben. Eine gute Luft im Stall und eine gute Qualität von Rau- und Kraftfutter ist ebenfalls wichtig.“ 

Da der Organismus darauf ausgelegt ist den ganzen Tag zu arbeiten, ist es wichtig, dass ausreichend Raufutter zur Verfügung steht. Wenn dieses Grundbedürfnis beeinträchtigt wird, entsteht ein negativer Einfluss auf den Organismus, was wiederum das Immunsystem schwächen kann. 

Lisa Kullmann empfiehlt ihren Kunden zudem einmal jährlich ein großes Blutbild ihres Pferdes machen zu lassen, um eventuelle Mängel festzustellen und auszugleichen, sodass der Organismus immer im Gleichgewicht bleibt. 

 

Als Pferdebesitzer erste Anzeichen einer Dysfunktion im Pferdekörper erkennen 

Häufig spürt der Reiter eine Blockade als Erstes während des Reitens. Liegt eine Wirbelblockade vor, nehmen die Pferde meistens eine Kompensationshaltung ein. Versucht der Reiter nun, eine andere Haltung vom Pferd zu fordern, kann das Pferd diese nicht umsetzen. Meistens ist eine Blockade mit erschwerter Stellung und Biegung verbunden und das Pferd benötigt eine längere Aufwärmphase. Insgesamt wirkt das Pferd müde und matt und ist steifer im gesamten Bewegungsablauf. 

Aber auch Wesensveränderung wie plötzliche Schreckhaftigkeit oder ungehorsam sind Anzeichen für eine Dysfunktion im Körper. 

 

„Für mich tun Pferde nie etwas Böses, Zickiges, Ungehorsames oder Dominantes. Das sind immer Verhaltensarten und -weisen, mit denen uns die Tiere aufzeigen, dass irgendwo im Körper ein Problem vorliegt.“

 

Beim Putzen lässt sich häufig beobachten, dass das Pferd empfindlich im Rücken reagiert oder sich auf einmal ungern im Genick und an den Ohren anfassen lässt. Aber auch ungeklärte Lahmheiten, Kotwasser oder wiederkehrende Koliken sind Anzeichen für ein Problem im Körper des Pferdes. 

Wenn das Pferd solche Anzeichen zeigt, hat der Pferdebesitzer die Aufgabe, diese Anzeichen zu erkennen und sich von Fachpersonen Hilfe zu holen. Diese Signale sollten unter keinen Umständen unterdrückt oder ignoriert werden. Je länger mit der Behandlung der Problematik gewartet wird, desto länger ist der Weg, um wieder den Ursprungszustand zu erreichen. 


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Dieser Artikel ist ein Beitrag aus der About Horses Community:

Lisa Kullmann ist Osteopathin für Mensch und Pferd. Sie lebt, arbeitet und therapiert nach einer ganzheitlichen Philosophie. Die ganzheitliche Betrachtungsweise der Osteopathie ist für sie unabdingbar. Deshalb ist es für sie so wichtig auch hinter die Kulissen zu schauen und nicht nur das Offensichtliche zu sehen. Ihre Vision besteht darin, die Ursachen und den Ursprung von Dysfunktionen zu finden. Der Wirkungskreis von Lisa Kullmann erstreckt sich von Hessen bis nach Hamburg. Für nationale und internationale Veranstaltungen ist sie deutschlandweit unterwegs. Außerdem ist sie als Permitted Equine Therapist - registriert bei der FEI - unterwegs. Falls auch Sie Interesse an einer osteopathischen Behandlung Ihres Pferdes haben oder eine medizinische Versorgung für Pferd und Reiter auf Ihrer Veranstaltung gewährleisten und anbieten möchten, nehmen Sie Kontakt über ihr About Horses Profil auf.

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